18. Nov.
2016

„Techniktag Dämmsysteme“ als Branchen-Highlight 2016

Zum zweiten Mal versammelte der Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme (FV WDVS) alle Fachzielgruppen vom Planer über das Handwerk bis zu Vertretern aus Politik und Behörden zum „Techniktag Dämmsysteme“. Fast 200 Teilnehmer erlebten und diskutierten in Berlin das gesamte Spektrum an technischen WDVS- und IDS-Themen mit den Schwerpunkten Energieeffizienz, Baurecht, Qualität und Nachhaltigkeit.

 

Matthias Brox, Vorstand Technik des FV, Geschäftsführer Ralf Pasker und Bettina Hahn, Referentin Technik des FV, eröffneten die Veranstaltung im Dialog mit einem Bekenntnis zur Energiewende („Nur mit uns möglich!“) und zu den Kernzielen Nachhaltigkeit, Qualität und Sicherheit der Systeme. Das sind zugleich die Schwerpunkte der Verbandsarbeit im Jubiläumsjahr 2017: Vor 60 Jahren wurde in Berlin das erste Wärmedämm-Verbundsystem installiert.

Das Kernziel Qualität findet in den von Ralf Pasker vorgestellten Qualitätsrichtlinien für EPS, Mineralwolle und Polyurethan Ausdruck; die Dokumente für weitere Dämmstoffe folgen demnächst. Prof. Dr. Andreas Holm (FIW München) präsentierte Grundlagen und Struktur freiwilliger Qualitätssicherungssysteme (z.B. die „FIW Qualitätspyramide“). „Rechtsstreit vermeiden, auf Vertragsinhalte konzentrieren“ – lauteten Praxisempfehlungen von Rechtsanwalt Dr. Frederik Neyheusel, der die juristischen Konsequenzen schilderte, wenn der Systemgedanke aufgeweicht wird. Rainer Huke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Farbe, Gestaltung, Bautenschutz erläuterte zum Abschluss des „Qualitäts-Blocks“ die Aktivitäten der Gütegemeinschaft Wärmedämmung von Fassaden (GWF).

Dass die Diskussion zwischen der EU-Kommission und Deutschland in Sachen Baurecht andauert, wurde im Vortrag von Dr. Gerhard Scheuermann deutlich. Der Vorsitzende der Fachkommission Bautechnik der Bauministerkonferenz konnte insofern aber Entwarnung geben, dass die aus dem EuGH-Urteil und der geplanten Einführung der neuen Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) resultierenden Baurechtsänderungen „die meisten WDV-Systeme nicht betreffen.“ Werner Mai, Obmann Brandschutz im FV WDVS, zeigte den Teilnehmern anhand des vom FV veröffentlichten „Kompendiums WDVS und Brandschutz“ auf, welche Änderungen u.a. bei der Anordnung von Brandriegeln gelten und wo das Kompendium in seinen Erläuterungen die Zulassungstexte der WDV-Systeme konkretisiert (z.B. bei Gebäudenischen oder Spritzwasserbereiche auf Brandwänden).

Druckfrisch als 40seitige Broschüre präsentierte Obmann Innendämm-Systeme (IDS) Heiko Riggert im Themenblock Energetisches Bauen die neue Technische Richtlinie IDS des FV. Darin enthalten sind von der Checkliste zur Bauzustandsanalyse über Kapitel zum Mindestwärmeschutz und zu Wärmebrücken bis zu Detaillösungen zahlreiche praxisrelevante Ausführungsdarstellungen (zu beziehen unter www.innendaemmsysteme.de). Stichwort Praxis: Hier lieferte Jochen Icken, Vorstand der Berliner Wohnungsbaugenossenschaft Märkische Scholle, ein Bekenntnis zu WDVS („brauchen wir unbedingt“) und zur Integration der Fassadendämmung in einen ganzheitlichen Sanierungsansatz für die genossenschaftlichen Gebäude einschließlich innovativem Heizkonzept. Nach weiteren Vorträgen von Dr. Klaus-Dieter Clausnitzer (Fraunhofer IFAM, Bremen) zu den Ergebnissen seiner Studie „Aufdopplung bestehender WDVS“ und Christian Klaus (EPC) zum Grundprinzip des CreaSolv Verfahrens für das Recycling von EPS-Dämmplatten kam zum Schluss des Techniktages die Politik zu Wort. Zunächst erläuterte Ralf Pasker anhand des European Energy Saving Guide die Bedeutung der energetischen Sanierung zur Erreichung klimapolitischer Ziele. Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energiepolitik, Wärme und Effizienz im Bundeswirtschaftsministerium, räumte anschließend ein, dass man „die Sanierung im Bestand mit Ordnungsrecht nicht in den Griff bekommt“, stattdessen seien mehr Anreize nötig. Dabei müsse baulicher Wärmeschutz effizient und wirtschaftlich zugleich bleiben. Bei der Formulierung der neuen EnEV werde es „keinen Schnellschuss“ geben, da „Neubauverschärfung auch Bestandsverschärfung nach sich zieht“ – was die Bereitschaft zur Sanierung noch weiter einschränken dürfte. Es gehe nicht um eine „Stromwende“, sondern um eine „nachfrageorientierte Energiewende“, so Herdan. Diese sei nur zu erreichen durch eine Kombination aus Energieeffizienz und dem Einsatz erneuerbarer Energien nach der Formel „Efficiency first“.

Rüdiger Lugert, Vorstandsvorsitzender des FV WDVS, bezeichnete in seinem Schlusswort den Techniktag Wärmedämmung als eindrucksvolle „Leistungsschau“ der Branche. Die zahlreichen Wortmeldungen zwischen den Vortragsblöcken und die intensiven Diskussionen in den Pausen hätten gezeigt, dass der FV WDVS mit diesem Tagungskonzept nachhaltige Akzente im Markt setzen konnte. Für 2018 ist daher eine Neuauflage des Techniktages geplant.

Rund 200 Teilnehmer kamen zum Techniktag Dämmsysteme des FV WDVS in die Berliner Kalkscheune.

Die Referenten des Vormittags (v.l.): Werner Mai, Prof. Andreas Holm, Rainer Huke, Bettina Hahn, Dr. Frederik Neyheusel, Dr. Gerhard Scheuermann und Ralf Pasker.

Die Referenten des Nachmittags (v.l.): Heiko Riggert, Christian Klaus, Dr. Klaus-Dieter Clausnitzer, Ralf Pasker, Thorsten Herdan und Matthias Brox, der den Techniktag Dämmsysteme moderierte.

Rüdiger Lugert, Vorstandsvorsitzender des FV WDVS Alle Fotos: FV WDVS