16. Jun.
2016

Leistungsschau im Zeichen der WDVS-Technik

Rund 100 Delegierte der Mitgliedsunternehmen des Fachverbandes Wärmedämm-Verbundsysteme (FV WDVS) waren zur Jahrestagung am 7. und 8. Juni 2016 nach Wiesbaden gekommen. Die Aufnahme neuer Mitglieder, interne und externe Kommunikationsthemen sowie insbesondere aktuelle technische Details und Ergebnisse aus den Gremien standen im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Vorstandsvorsitzender Rüdiger Lugert sprach in seiner Begrüßung von einer „Leistungsschau“ des Verbandes, die sich in zahlreichen Publikationen und Aktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene widerspiegele. „Wir haben die Ankündigung vom letzten Jahr konsequent umgesetzt und uns als die technische Instanz für WDVS weiter etabliert“, erklärte Lugert vor allem mit Blick auf das Thema Brandschutz. Hier hat der FV mit der neuen Technischen Systeminfo ein echtes Branchenkompendium vorgelegt. Geschäftsführer Ralf Pasker kündigte in seiner Präsentation an, dass man gemeinsam mit den Handwerksverbänden und dem Industrieverband Werkmörtel als nächsten Schritt aus der Technischen Systeminfo eine auf die reine Ausführung vor Ort abzielende Anwendungsbroschüre „fürs Handschuhfach“ in Angriff nehmen wird. Druckfrisch auf den Tischen der Teilnehmer lag der europäische „Energy Saving Guide 2016“, den Heiko Werf in seiner Funktion als Vorstand Öffentlichkeitsarbeit vorstellte.

Es sind Publikationen mit hohem Nutzwert wie die genannten, die letztlich viel zur Attraktivität des Verbandes beitragen. In Wiesbaden konnten Rüdiger Lugert und Ralf Pasker folgerichtig gleich drei neue außerordentliche Mitglieder im FV begrüßen: die Baukom Bauprodukte GmbH (Sinsheim), die Schöck Bauteile GmbH (Baden-Baden) und den Verband der Holzweichfaserdämmstoffe VHD (Wuppertal).

Neu im Vorstand begrüßt wurde Jens Schmidt (EJOT Baubefestigungen GmbH), der die außerordentlichen Mitglieder vertritt. Verabschiedet aus diesem Gremium haben die Mitglieder Ingo Fuchs (Remmers GmbH), der seit 2003 verschiedene Ressorts im Vorstand des FV betreut hat, seit 2009 die Innendämmsysteme. Dieses Ressort betreut Dr. Andreas Weier (Sto SE & Co. KGaA) interimsweise mit.

Matthias Brox, Vorstand Technik im FV, und Ralf Pasker brachten die Tagungsteilnehmer dann in einer ausführlichen Tour durch die Gremien auf den neusten Stand in Sachen Technik. Einige Ergebnisse und Sachstände im Überblick:

  • die Veröffentlichung der neuen Technischen Richtlinie Innendämmsyteme (IDS) steht kurz bevor, eine Schulungspräsentation wird folgen
  • Qualitätsrichtlinien für WDVS mit den Dämmstoffen EPS, Mineralwolle und Polyurethan sind inhaltlich erarbeitet und werden die Basis bilden für ein Qualitätssicherungssystem mit eigenem Siegel zur freiwilligen Kennzeichnung
  • es arbeiten inzwischen eigene Projektgruppen zu Befestigungslösungen, zur Überführung der ETAG 014 in ein European Assessment Document (EAD) sowie zu Profilen und Abdichtungen
  • der Prozess einer europäischen Normung für WDVS läuft weiter, eine Veröffentlichung der Norm vor 2019 erscheint derzeit unwahrscheinlich
  • zur Umsetzung des EuGH-Urteils hat der FV eine umfangreiche Stellungnahme an die zuständigen Stellen verschickt mit den Zielen:
    • Keine Absenkung von Sicherheitsniveaus für Gebäude
    • Keine Einschränkung von Anwendungsbereichen für bewährte Systeme
    • Keine Ungleichbehandlung von WDVS mit abZ und WDVS mit ETA.
  • die EPDs für WDVS werden aktualisiert und zur BAU 2017 vorgestellt
  • die Recycling-Pilotanlage für das CreaSolv-Verfahren für EPS und XPS läuft ab 2018; der FV WDVS und die EAE sind am Projekt beteiligt
  • der FV arbeitet auf der Grundlage der Anfang 2015 vorgestellten Forschungsergebnisse an der weiteren Detaillierung von Lösungskonzepten zum Rückbau und Recycling von WDVS mit allen verwendeten Dämmstoffen

Viele dieser Aspekte aus den Bereichen Qualität im System, Baurecht, Architektur und Umwelt werden auch Gegenstand des 2. Techniktages Dämmsysteme sein, den der FV WDVS am 3.11.2016 in Berlin veranstaltet.

Im Vortragsteil der Jahrestagung erläuterte Dr. Frank Heidrich (Abt. Energieeffizienz im Bundeswirtschaftsministerium) die aktuellen Pläne und Programme der Bundesregierung zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplanes Energieeffizienz (NAPE). Dass es in absehbarer Zeit eine steuerliche Abschreibungsmöglichkeit für energiesparende Maßnahmen der Gebäudehülle geben wird, ist nach Dr. Heidrichs Worten unwahrscheinlich. Teile der Politik, aber auch am Bau beteiligte Verbände argumentierten in Berlin dagegen. Die Novelle der EnEV sei bis Ende 2016 zu erwarten. Bei Maßnahmen im Bestand seien – wie bereits bei der letzten Novellierung keine Verschärfungen zu erwarten. Am Prinzip der Technologieoffenheit soll festgehalten werden. Langzeitziel der Regierung bleibe ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050. Schwerpunkte der aktuellen Förderung liegen aktuell eher im Bereich der Hausund Anlagentechnik. Wärmedämmung als Maßnahme im Bestand wird laut Dr. Heidrich durch die bestehenden KfW Programme „gut abgedeckt“.

Professor Jutta Rump (Institut für Beschäftigung und Employability, Ludwigshafen) skizzierte im abschließenden Vortrag der Tagung die wichtigsten Fakten und Trends einer „Arbeitswelt 4.0“. Sie wies dabei nach, dass und warum eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit nicht zu verhindern sein wird und welche Megatrends diesen Prozess flankieren: die demografische, technisch-ökonomische und die gesellschaftliche Entwicklung, insbesondere die Digitalisierung 4.0 und das daraus resultierende Denken in Wertschöpfungsketten statt in einzelnen Unternehmensabläufen. 

Präsentierten das Technik-Programm der Jahrestagung (v.l.): Matthias Brox (Vorstand Technik), Heiko Riggert (Obmann Innendämmsysteme), Werner Mai (Obmann Brandschutz), Peter Schiffke (Obmann Dämmstoffe) und Ralf Pasker (Geschäftsführer).