13. Nov.
2015

Wärmedämmung im Faktencheck

Ohne Wärmdämmung keine Energiewende. Doch die öffentliche und mediale Diskussion zeigt: Es besteht Informationsbedarf.

Neben rationalen Themen wie Energieeinsparung und Wirtschaftlichkeit werden Aspekte wie Baukultur, Brandschutz oder Algenbewuchs intensiv und zuweilen emotional diskutiert. Deshalb hier einige Fakten im Überblick:

Brandschutz und WDVS

In Deutschland gelten strenge Brandschutzvorschriften, selbstverständlich auch für wärmegedämmte Fassaden. Der Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme e.V. widmet dem Brandverhalten von WDVS seit über 30 Jahren größte Aufmerksamkeit – und dies nicht nur in der prüftechnischen Absicherung vorhandener Systeme, sondern auch bei der Entwicklung neuer Systeme oder konstruktiver Besonderheiten. Oberste Ziele sind eine brandschutztechnisch sichere Verarbeitung und Ausführung sowie die kontinuierliche Verbesserung der brandschutztechnischen Qualität des WDVS im Gebrauchszustand. Im Jahr 2005 wurden auf eigene Initiative des Fachverbands WDVS angesichts sich abzeichnender Steigerungen der Dämmstoffdicken Versuche an einem Abbruchgebäude durchgeführt. Sie führten zur bauaufsichtlichen Zulassung von umlaufenden Brandriegeln als Alternative zu den bereits früher nachgewiesenen Maßnahmen zum Sturzschutz. Die Versuche wurden abgestimmt mit Bauaufsicht und Feuerwehr. Als relevantes Szenario wurde dabei der Raumbrand festgelegt.

Nach Medienberichten über Brandereignisse im Zusammenhang mit WDVS hat sich die Bauministerkonferenz des Bundes 2012 dem Thema Brandschutz angenommen und „bestätigt, dass entsprechend der Zulassung hergestellte WDVS mit Polystyrol-Dämmstoffen sicher sind“ (Merkblatt der Bauministerkonferenz, Stand 18.06.2015). Die tatsächliche Zahl von Fassadenbränden, bei denen WDVS eine Rolle spielen, ist gering einzuschätzen, wenngleich eine detaillierte Statistik fehlt. Zugenommen hat jedoch nach Erkenntnissen der von der Bauministerkonferenz eingesetzten Expertengruppe die Häufigkeit einer Brandentstehung unmittelbar vor der Fassade, u.a. durch brennende Müllcontainer oder Sperrmüll. Dieses Szenario einer Brandeinwirkung von außen wurde im Rahmen eines Forschungsvorhabens im Auftrag der Bauministerkonferenz ohne Industriebeteiligung untersucht. Dabei wurden zusätzliche Maßnahmen identifiziert, um WDVS mit EPS-Dämmstoffen gegen dieses Brandrisiko noch besser zu schützen. Der Fachverband WDVS hat seine Mitglieder nach Bekanntgabe der ersten DIBt-Hinweise auf die sich abzeichnenden Zulassungsänderungen informiert und empfohlen, die Maßnahmen bereits frühzeitig umzusetzen. Die Aktualisierung der Technischen Systeminformation WDVS und Brandschutz läuft und wird zur Verfügung stehen, sobald die Zulassungsänderungen endgültig bekannt sind.

Der Fachverband WDVS empfiehlt darüber hinaus seit Jahren, bei der Ausführung von WDVS mit Polystyrol-Dämmstoffen die Brandschutzmaßnahmen Sturzschutz bzw. Brandriegel grundsätzlich bei allen Gebäudeklassen anzuwenden, auch wenn die Landesbauordnungen dies für Gebäude der Klassen 1 bis 3 (bis 7 m Höhe) nicht zwingend erfordern. Diese Empfehlung gilt auch für die zusätzlichen Brandriegel.

Weiterführende Informationen: Aktuelles zum Brandschutz von WDVS


Algen und Pilze auf WDVS

Algen und Pilze zählen zu den ältesten Lebensarten der Erde. Sie kommen nahezu überall in unterschiedlichsten Ausprägungen vor und sind kein spezifisches Phänomen wärmegedämmter Fassaden. Nach Erkenntnissen des Fraunhofer Instituts kommt es grundsätzlich auf allen Außenbauteil-Oberflächen zu einer zunehmenden Belastung mit Algen und Pilzen. Ursache hierfür ist ein günstiges Wachstumsklima durch die kontinuierlich abnehmende Luftverschmutzung und die Zunahme nährstoffreicher Einträge z.B. aus der Landwirtschaft. Überall dort, wo Fassadenflächen einer starken Feuchtebelastung ausgesetzt sind, steigt das Risiko für einen Befall.

Deshalb gilt der Grundsatz: Was trocken ist, bleibt algenfrei. Die beste Chance, Algenbewuchs an der Fassade zu vermeiden, bieten bauliche Vorkehrungen wie beispielsweise größere Dachüberstände. Zudem sollte die Belastung einer Fassade mit Spritzwasser vermieden werden. PKW oder Heizungsanlagen erhalten eine regelmäßige Inspektion. Dies sollte auch für die Fassade gelten. Der Fachverband WDVS empfiehlt Bauherren, mit dem Fachhandwerker einen Wartungsvertrag für die Fassade abzuschließen. Kleinere Befallflächen können so unmittelbar beseitigt und eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Auf diese Weise bleibt die Fassade optisch schön und der technisch einwandfreie Zustand des WDVS wird auch aus brandschutztechnischer Sicht auf Dauer sichergestellt.

Weiterführende Informationen: „WDVS – trockene Fassaden“

 

Rückbau und Recycling von WDVS

Entsorgungsprobleme durch zurückgebaute Wärmedämm-Verbundsysteme sind in den nächsten Jahrzehnten nicht zu erwarten. Auf diesen kurzen Nenner kommen Experten des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik Holzkirchen (IBP) und des Forschungsinstituts für Wärmeschutz München (FIW) im Abschlussbericht einer vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung BMVBS im Rahmen der Forschungsinitiative „Zukunft Bau“ geförderten und vom Fachverband WDVS sowie dem Industrieverband Hartschaum initiierten Forschungsarbeit. EPS-Dämmstoffe werden überwiegend der thermischen Verwertung und damit der Energiegewinnung zugeführt.

Die Rückführung in den Stoffkreislauf kann über das sogenannte CreaSolv-Verfahren geschehen. Dabei werden die Rohstoffe, die zur Produktion der Dämmstoffe eingesetzt werden, zurückgewonnen. Derzeit ist dieses Verfahren aufgrund des geringen Aufkommens aus dem Rückbau von WDVS nicht wirtschaftlich. Die Gründe für die derzeit geringen Abfallmengen bei Dämmstoffen liegen zum einen in der Lebensdauer von WDVS, die in der Regel weit mehr als 40 Jahre beträgt, wie jüngst eine Langzeitstudie bestätigt hat. Zum anderen in der Tatsache, dass Wärmedämm-Verbundsysteme in vielen Fällen aufgedoppelt statt rückgebaut werden. Damit wird der Lebenszyklus von WDVS weiter verlängert und zusätzlich kann die Optik der Fassade dabei verbessert werden. Dennoch arbeitet ein Projektteam derzeit an der Errichtung einer Pilotanlage zur Umsetzung des Recycling-Verfahrens. Der Fachverband WDVS begrüßt dieses Projekt, denn es stellt die konsequente Fortsetzung des Forschungsprojektes und der Aktivitäten des Fachverbandes in Richtung einer vollständigen Kreislaufwirtschaft für WDVS mit EPS- und XPS-Dämmstoffen dar. 

Weiterführende Informationen:

Positionspapier

Recycling-Studie Fraunhofer IBP

Forschungsreport Langzeitverhalten Fraunhofer IBP

 

Architektur und WDVS

In einigen Veröffentlichungen wird Wärmedämmung mit dem Ende der Baukultur gleichgesetzt: Ziel der „Dämmstofflobby“ sei es, jedes Fachwerk und jeden Gründerzeitbau hinter einer dicken und gesichtslosen Dämmstoffschicht verschwinden zu lassen. Tatsächlich aber kann eine gedämmte Fassade sogar eine deutliche optische Verbesserung bewirken.

Eine fachgerecht angebrachte Fassadendämmung verbindet effektiven Wärmeschutz mit der Möglichkeit, außergewöhnliche Ideen oder klassisches Design zu verwirklichen. Eine breite Palette an Dämmstoffen erfüllt die unterschiedlichsten Ansprüche an Ökologie, Wirtschaftlichkeit sowie Technik. Bei der Oberflächengestaltung ist beinahe alles möglich: formgebende Strukturputze, faszinierende Farbwelten, schimmernde Keramik, glänzendes Metall, Natur pur in Holz und Stein geben jedem Gebäude ein ganz individuelles „Gesicht“. Sollen oder dürfen Fassaden von außen nicht verändert werden (z. B. aus Gründen des Denkmalschutzes), stellt die Innendämmung eine sinnvolle Alternative dar.

Weiterführende Informationen:

 „Design und Gestaltung“

Broschüre „Design – Wärme – Schutz“

Weitere Informationen zum Thema „Fassadendämmung – was stimmt und was nicht“ finden Sie auch unter www.daemmen-lohnt-sich.de